Geschichte
In vedischer Zeit (ca. 1500 – 400 v. Chr.) hieß
die Insel Lankâ; zur Zeit des indischen Maurya-Reiches unter
Ashoka (ca. 3. Jahrhundert v. Chr.) Tâmraparnî; beim griechischen
Geographen Ptolemäus (2. Jahrhundert) heißt sie Taprobane; zur
Gupta-Zeit (um 400) und zur Zeit des indischen Großkaisers
Harshavardhana (7. Jahrhundert) wurde sie Singhala genannt; im
Spätmittelalter (13./14. Jahrhundert) Silan und Sarandib
(oder Serendip, siehe hierzu auch Serendipity). Die Portugiesen,
Holländer und Briten nannten die Insel Ceylon, die nach ihrer
Unabhängigkeit im Jahr 1972 in Sri Lanka umbenannt wurde.
In der Antike, lebten im Norden Sri Lankas
tamilisch sprechende Nagar und im Süden Sri Lankas tamilisch sprechende
Iyakar.
483 v. Chr.: ca. 700 nordindische Siedler (zu
den Indogermanen gehörend), die späteren Singhalesen, kommen unter der
Führung des von seinem Vater wegen krimineller Machenschaften verbannten
Prinzen Vijaya nach Sri Lanka (damals Tâmraparnî). Sie treffen auf eine
Urbevölkerung, die damaligen Iyakar und heutigen Veddas, die vermutlich
mit den australischen Aborigines verwandt sind. Diese gehen nach und
nach in den Singhalesen auf. Heute gibt es nur noch wenige 100 von
ihnen.
um 247 v. Chr.: Der Buddhismus in der Form des
Theravada gelangt durch Vermittlung des indischen Maurya-Kaisers Ashoka
nach Sri Lanka. Damit entsteht unter König Tissa das erste buddhistische
Königreich in Anuradhapura bis zu seinem Tod 210 v. Chr. In der Folge
mehrfacher Wechsel zwischen Tissas Nachkommen und
tamilisch-hinduistischen Königen. Deren wichtigster, Elara, regiert 24
Jahre lang von Anuradhapura aus.
um 175 v. Chr.: Cholaeinfälle vom indischen
Festland aus. Aber auch jahrhundertelange friedliche Koexistenz einer
großen Zahl von Tamilen (der Sprachfamilie Dravidisch zugehörig),
besonders Kaufleute, Söldner und Handwerker, mit den Singhalesen;
Mischheiraten und Assimilation in beträchtlichem Ausmaß.
161 v. Chr.: Datthua-Gamini, ein rechtmäßiger
Nachfolger des Königs Tissa regiert im Süden der Insel das Königreich
Ruhunu. Von dort zieht er gegen die tamilische Herrschaft in
Anuradhapura und vertreibt sie. Bis 137 v. Chr. regiert er von
Anuradhapura aus. Er legt zahlreiche Stauseen, Kanäle und Straßen an und
gilt in der Literatur als der größte Held der singhalesischen
Geschichte.
102 v. Chr.: tamilische Rückeroberung des
Nordens.
89 v. Chr.: Vatta-Gamini-Abhaya etabliert in
Anuradhapura wieder eine singhalesische Herrschaft. Zu seiner Zeit
werden im Tempel Aluvihara die Lehrreden Buddhas im sog. Dreikorb
(Tipitaka) in Pali-Sprache niedergeschrieben.
60 n. Chr.: Ermordung des letzten Königs aus
Vijayas und Tissas Dynastie.
331 Die Zahnreliquie Buddhas kommt nach Sri
Lanka, die noch heute im Zahntempel in Kandy verehrt wird.
ab 433 wieder tamilische Könige, beginnend mit
Pandu.
ab 459 singhalesischer König Dhatusena bis zu
seiner Ermordung 477. Er legt den Stausee Kala Wewa im Westen an.
477 bis 495 Herrschaft des Kassapa auf der
Felsburg Sigiriya, wo er sich nach der Ermordung seines Vaters Dhatusena
aus Angst vor der Rückkehr seines Bruders und rechtmäßigen Thronfolgers
Mogallana verschanzt.
495 Mogallana besiegt Kassapa und regiert
wieder in Anuradhapura.
830 Einfall der südindischen Pandayas und
Plünderung Anuradhapuras. Abzug nach erheblichen Zahlungen. Durch
Rachefeldzug von König Sena 833 bis 853 wird die gesamte Beute zurück
geholt.
993 bis 1077 Fremdherrschaft der südindischen
Cholas, beendet durch Vijaya Bahu aus dem Restkönigreich Ruhunu.
1077 wählt Vijaya Bahu Polonnaruwa im Nordosten
zur neuen Hauptstadt.
seit dem 13. Jahrhundert: Tamilische
Königreiche in den Norden und Osten mit der Hauptstadt Jaffna.
1153 besteigt Parakrama Bahu II. gewaltsam den
Thron in Polonnaruwa. Verstärkter Ausbau des Systems von
Bewässerungsseen (z. B. Parakrama Samudra in Polonnaruwa) und Kanälen
unter dem König, dessen Devise war, kein Tropfen des Mahaweli Ganga
solle ungenutzt ins Meer fließen. Parakrama stirbt 1186.
1214 bis 1235 Herrschaft des indonesischen
Eindringlings Magha als König in Polonaruwa. Nach seinem Tod wird diese
Hauptstadt aufgegeben und beginnt zu verfallen. Inzwischen ist in Jaffna
ein tamilisches Königreich entstanden.
1292 besucht Marco Polo Sri Lanka, er berichtet
nur vom König in Jaffna.
1418 entsteht unter Parakrama Bahu VI (1415 -
1467) zum letzten Mal ein singhalesisch regiertes Gesamtkönigreich von
Sri Lanka. Hauptstadt ist Kotte. Danach wieder Zerfall in mehrere kleine
Königreiche.
1505: erste Portugiesen unter Lourenco de
Almeida besuchen von Indien aus die Insel.
1518: Eroberung Sri Lankas durch Portugal. Die
Portugiesen gründen das Fort Colombo
1551: Don Juan Dharmapala wird erster
christlicher König von Portugals Gnaden. Er stößt auf erheblichen
Widerstand und dankt 1580 zugunsten des Königs von Portugal ab.
1592 bis 1604: Wimala Dharma Suriya, teilweise
siegreicher Anführer des singhalesischen Widerstandsheeres gegen die
Portugiesen, wird König in Maha Nuwara (Kandy).
1597: Portugiesen annektieren Königreich Kotte.
1620: Eingliederung des Königreichs Jaffna in
die Kolonie.
ab 1638 Bau niederländischer Forts in
Batticaloa, Trincomalee (1639), Matara (1640) und Negombo. In der Folge
kriegerische Auseinandersetzungen mit den Portugiesen.
1656: Colombo wird niederländisch.
1658: Eroberung von Mannar und damit von ganz
Sri Lanka durch die Niederlande.
1796: Beginn der Herrschaft der Briten.
Die Briten dringen als erste Kolonialmacht in das Inselinnere vor.
Portugiesen und Niederländer beschränkten sich bis dahin nur auf
Stützpunkte an der Küste.
1803: Ceylon wird britische Kronkolonie.
1815: Einnahme des Königreichs Kandy. Der
letzte singhalesische König, Wikrama Rajasingha, wird verhaftet und nach
Indien gebracht.
1818: Ceylon wird vollkommen britisch, nachdem
diverse Aufstände niedergeschlagen sind.
ab 1840: Die Briten bringen südindische
Plantagenarbeiter (Tamilen) auf die Insel. Danach Spannungen mit den
Singhalesen wegen des nationalen und religiösen Gegensatzes.
1860: Beginn des Teeanbaus auf Plantagen.
1947 (Juni): Ceylon wird britisches Dominion.
1948 (4.2.): Ceylon wird innerhalb des
Britischen Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen.
1956: Mit singhalesisch-nationalistischen
Parolen gewinnt die SLFP (Sri Lanka Freedom Party) die Parlamentswahlen.
Von da an pro-singhalesische Politik (Bevorzugung der singhalesischen
Sprache, des Buddhismus, Quotenregelung auf Basis der ethnischen
Zugehörigkeit für die Universitätszulassung etc.), die zu Spannungen
zwischen Singhalesen und Tamilen führt.
ab 1970: Zusammenschluss tamilischer Parteien
zur Tamil United Liberation Front (TULF). Diese fordert einen
eigenen Tamilenstaat (Tamil Eelam) im Norden und Osten der Insel.
1972 (22.5.): Ceylon wird Republik
und gibt sich den Namen Sri Lanka.
1977 Erdrutsch-Wahlsieg der [[UNP] von Junius
Richard Jayawardene über die bisherige SLFP-Regierung von Frau Sirimavo
Bandaranaike.
ab 1983: Eskalation der Spannungen zwischen
Singhalesen und Tamilen bis zum Bürgerkrieg. Die radikalen Liberation
Tigers of Tamil Eelam (LTTE) fordern einen unabhängigen
Tamilienstaat im Norden und Osten der Insel.
1986: Die LTTE erobern die Jaffna-Halbinsel
(Hochburg der Tamilen) und weite Teile der Nordzentral- und der
Ostprovinzen (hauptsächliche Siedlungsgebiete der Tamilen).
1987 (Juni): Indien entsendet mit UNO-Mandat
und unter Zustimmung der Regierung Sri Lankas Friedenstruppen (IPKF=
Indian Peace Keeping Force) nach Sri Lanka.
1989 – 1990:Durch Angriffe der "Liberation
Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) erlitt die IPKF schwere Verluste und zog
sich 1990 (März) erfolglos aus Sri Lanka zurück. Die
Auseinandersetzungen zwischen Singhalesen und Tamilen eskalieren erneut.
1995 (Dezember): Die Regierungstruppen Sri
Lankas erobern die Jaffna-Halbinsel zurück.
1999 (November): Die LTTE lancieren eine
Großoffensive im zentralen Norden des Landes. (18. Dezember) Während des
Wahlkampfs wird Präsidentin Kumaratunga von einem tamilischen
Selbstmordattentäter verletzt. Sie wird in ihrem Amt bestätigt.
2002 (Februar): Waffenstillstand und
Friedensverhandlungen zwischen der srilankischen Regierung und den
tamilischen Rebellen.
2004 (7. Februar): Präsidentin Chandrika
Bandaranaike Kumaratunga löst das Parlament auf und ordnet Neuwahlen für
den 2. April an, aus denen sie als Siegerin hervorgeht.
2004 (26. Dezember): Ausrufung des Notstandes
in Folge der Flutkatastrophe nach dem Seebeben vor Sumatra. Zum 1.
Februar 2005 gab es in Sri Lanka über 30.000 Todesopfer. |